Disziplin:
- Germanistik
Die Ehrung wird 2022/23 aufgrund von Robert Hamerlings Antisemitismus als „problematisch“ eingestuft. Die größte Auseinandersetzung um seinen Antisemitismus gab es um sein Epos „Homunculus“, in dem Hamerling alle antisemitischen Stereotype gegen Juden durchdeklinierte. Er spielte aber auch mit antisemitischen Ritualmordlegenden und dem angeblichen „Judengeruch“. Wenig überraschend wurde er von der liberalen Presse kritisiert, von Rassenantisemiten als einer der ihren gefeiert.
Fakultät:
- Philosophische Fakultät
Der Schriftsteller Robert Hamerling wurde als Rupert Hammerling 1830 in Kirchberg am Walde/Niederösterreich in ärmlichen Verhältnissen geboren, konnte aber das Gymnasium absolvieren und studierte ab 1846 an der Universität Wien klassische Philologie und Geschichte, lernte mehrere Sprachen und hörte auch medizinische Vorlesungen. Er arbeitete anschließend als Gymnasiallehrer – 1852 in Wien, 1853/54 in Graz und 1855-1866 in Triest.
Als Schriftsteller wurde Hamerling bekannt mit den Versepen „Ahasver in Rom“ (1865) und „König von Sion“ (1869). Großen Erfolg errang er auch mit seinem kulturhistorischen Sittenroman „Aspasia“ (1876) und dem Epos „Homunculus“ (1888).
Hamerling war zu Lebzeiten einer der meistgelesenen Dichter des deutschsprachigen Raums und warb in seiner Lyrik mit stark antisemitischen Tönen vehement für die nationale Einigung aller Deutschen.
Hamerling und der Antisemtismus
Die größte Auseinandersetzung um seinen Antisemitismus gab es um das Epos „Homunculus“, das ein Jahr vor seinem Tod erschien. Im achten Gesang („Im neuen Israel“), deklinierte Hamerling alle antisemitischen Stereotype gegen Juden durch – vorgeblich satirisch, tatsächlich aber affirmativ bestätigend. Die jüdische Hauptfigur hat eine angenehme Jugend, gewinnt ein Vermögen ohne Arbeit am Spieltisch, gründet Zeitungen und Aktiengesellschaften und eigene Staaten, die scheitern, schließlich einen Judenstaat („Im neuen Israel“) und findet sein Ende als „Ahasver des Weltraums“. Statt existierende Missstände zu analysieren und zu kritisieren bietete er lustvolle Rückgriffe auf uralte Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden als deren Verursacher*innen und beschreibt die nach Palästina ausziehenden Juden:
„Erstlich die der Schacherjuden. / Schwere Bündel auf dem Rücken. / Dann der Schwarm der Wucherjuden; / Ihr Emblem auf lichtem Banner: / Shylocks Fleischpfund in der Wagschal. / Dann der Schwarm der Börsejuden; / Ihr Emblem: Fortunens Kugel / In Gestalt von einer Bombe, / Welche platzt mit einem Krach.“
Das antisemitische Stereotyp des „Schacherjuden“, des „mauschelnden Juden“ oder der jüdischen Schriftsteller als „Literaturhebräer“ kommt in mehreren anderen Werken immer wieder zum Einsatz wie auch der von ihm geprägte Begriff der „Kunstsemiten“. Er spielte aber auch mit antisemitischen Ritualmordlegenden und dem angeblichen „Judengeruch“. Wenig überraschend wurde er von der liberalen Presse kritisiert, von Rassenantisemiten als einer der ihren gefeiert.
Er distanzierte sich einerseits vom Antisemitismusvorwurf, bestätigte andererseits Übereinstimmung mit Positionen von Antisemiten, spricht von einer „jüdischen Rasse“, distanziert sich aber von den politischen Mitteln der radikal antisemitischen Schönerer-Bewegung. Seine – literarisch wie politisch – deutschnationalen Positionen (er widmete der Deutschen Reichsgründung 1871 einen „Deutschen Festgesang“ und war lebenslänglich ein Verehrer des deutschen Reichskanzlers Bismarck) unterstützte die Wertschätzung bei antisemitischen und deutschnationalen Rezeptionen seiner Werke, sodass Georg Ritter von Schönerer ihn als „Parteipoet“ seiner antisemitischen Bewegung reklamieren konnte.
Hamerling starb 1889 in Stifting bei Graz/Steiermark.
In zahllosen Orten gibt es Hamerling-Denkmäler und -straßen, so ist auch in Wien 14 die Hamerlinggasse nach ihm benannt, sowie seit 1890 in Wien 15 die Robert-Hamerling-Gasse und seit 1904 in Wien 8 Hamerlingplatz und Hamerlingpark, in dem sich seit den 1980er Jahren auch ein Hamerling-Denkmal befindet. Bei der Aufarbeitung umstrittener Wiener Straßennamen 2013/2021 wurde er als „Fall mit Diskussionsbedarf“ eingestuft.

